Alexander Jöchl - Digitalisierung im Zeitalter der Samurai #125

Shownotes

Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge von Business Unplugged, für die ich in Berlin an einem wirklich besonderen Ort zu Gast war: dem Samurai Museum, dem einzigen seiner Art in Europa.

Alexander Jöchl, Founding Director des Museums, hat mich eingeladen, und wir haben darüber gesprochen, wie aus der privaten Sammlung von Peter Janssen ein Museum entstanden ist, das historische Samurai-Objekte nicht einfach nur zeigt, sondern sie mit interaktiven Installationen, Hologrammen, 3D-Modellen, KI-Audioguide und viel digitaler Vermittlung erlebbar macht – und trotzdem immer das Objekt selbst in den Mittelpunkt stellt.

Für mich war besonders spannend, wie konsequent dieses Museum besucherzentriert gedacht ist. Es geht um Vermittlung, um Begeisterung, um Neugier, aber auch um ganz unternehmerische Fragen: Wie betreibt man ein Privatmuseum ohne Fördermittel? Wie wichtig sind Geschwindigkeit, Mut, Fehlerkultur und digitale Prozesse? Und was können vielleicht auch andere Kulturinstitutionen oder sogar Unternehmen daraus lernen?

Aber hört es euch einfach selbst an. Viel Spaß mit dieser Folge von Business Unplugged.

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Samurai Museum Berlin

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00:00:00: hat auch viel mit Peter Janssen zum tun, dem Museumsgründer, der das Ganze auch finanziert hat, dass er nicht irgendwie ein Museum machen wollte, wie halt die klassische Vorstellung

00:00:10: vor dem Museum ist, sondern dass es interaktiv ist, dass es spielerisch ist, dass man Spaß hat, wenn man in das Museum geht, im besten Sinn des Wortes, dass man auch, wenn man

00:00:21: reingeht, neueste Technologien kennenlernt.

00:00:29: Herzlich willkommen zu Business Unplugged, dem Treffpunkt für Tradition und Zukunft.

00:00:34: Mein Name ist Johannes Pohl und ich spreche mit Unternehmerinnen, Gründerinnen und stillen Heldinnen des Business Alltags, die unsere digitale Zukunft formen.

00:00:43: Business Unplugged ist die Bühne für Visionäre der Digitalisierung und soll Brücken zwischen Start-ups und etablierten Unternehmen bauen.

00:00:51: Hier erhältst du wertvolle Impulse und Inspiration.

00:00:55: Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge von Business Unplugged, für die ich in Berlin an einem wirklich besonderen Ort zu Gast war, nämlich im Samurai Museum, dem

00:01:06: einzigen seiner Art in Europa.

00:01:10: Alexander Jöchl, Founding Director des Museums, hat mich eingeladen und wir haben darüber gesprochen, wie aus einer privaten Sammlung von Peter Janssen ein Museum entstanden ist,

00:01:20: das historische Samurai-Objekte nicht nur einfach zeigt,

00:01:25: sondern sie mit interaktiven Installationen, Hologrammen, 3D Modellen, KI Audio Guide und viel digitaler Vermittlung erlebbar macht und trotzdem immer das Objekt selbst in den

00:01:37: Mittelpunkt stellt.

00:01:39: Für mich.

00:01:40: war es besonders spannend, wie konsequent dieses Museum besucherzentriert gedacht ist.

00:01:46: Es geht Vermittlung, Begeisterung, um Neugier, aber auch um ganz unternehmerische Fragen.

00:01:53: Wie betreibt man ein Privatmuseum ohne Fördermittel?

00:01:56: Wie wichtig sind Geschwindigkeit, Mut, Fehlerkultur und digitale Prozesse?

00:02:00: Und was können vielleicht auch andere Kulturinstitutionen oder sogar Unternehmen daraus lernen?

00:02:07: Aber hört es euch einfach selbst an.

00:02:09: Viel Spaß mit dieser Folge von Business unplugged.

00:02:13: Lieber Alexander, herzlichen Dank für deine Einladung zu dir hier ins Samurai Museum in Berlin, dem größten seiner Art und eines mit ganz, ganz viel Digitalisierung, die ich auch

00:02:26: gerade selbst erleben durfte.

00:02:28: Ich freue mich riesig auf unser Gespräch.

00:02:31: Herzlich willkommen im Podcast.

00:02:33: Vielen Dank.

00:02:34: Es ist nicht nur das Größte, sondern auch das Einzige.

00:02:38: Aber es gibt weltweit noch andere.

00:02:41: Es gibt weltweit noch andere Museen, aber in Europa sind wir das einzige.

00:02:46: Super.

00:02:47: Ich kann es nur empfehlen, aber da werden wir auch nachher noch schon darauf zu sprechen kommen.

00:02:52: Es macht richtig Laune.

00:02:55: Kommen wir aber mal zu dir.

00:02:57: Wenn ich jetzt ganz vorne anfange, dann beginnt deine Geschichte im Heiligenland Tirol.

00:03:02: Das darf ich als Österreicher sagen.

00:03:03: Also, schöner ist er als zwei Österreicher in Berlin.

00:03:06: Du hast begonnen als Bildhauer und Restaurator.

00:03:09: Ja genau, habe ursprünglich Bildhauerei studiert, begonnen in Innsbruck in einer Fachschule und dann in Linz das Studium weitergeführt für Bildhauerei und bin

00:03:22: ausgebildeter Bildhauerkünstler und habe auch im restauratorischen Bereich gearbeitet, zum Beispiel das Goldene Dachl in Innsbruck restauriert.

00:03:31: Deine Handschrift ist am Goldenen Tag, Jogi.

00:03:35: da steht am Balkon sogar mein Name eingraviert.

00:03:37: Echt, wow?

00:03:38: Okay, muss ich schauen, wenn ich das nächste Mal dort bin.

00:03:42: Ja, lässig.

00:03:44: jetzt hast du mir schon ein paar Sachen vorweggenommen bei meiner Intro.

00:03:48: Also du hast, wie gesagt, auch Bildhauer im transmedialen Raum studiert, wenn man ehrlich ist.

00:03:54: das ist irgendwie so...

00:03:57: Ja, es ist nicht irgendwie, dass da wo Material, Mensch und auch die Bedeutung irgendwie nebeneinander stehen.

00:04:03: Die sind miteinander, die...

00:04:06: stehen vielleicht manchmal auch im Chaos, dürfen im Chaos stehen und es ist eine andere Herangehensweise.

00:04:12: Es ist eine andere Herangehensweise und es ist ein Arbeiten mit dem Raum, mit den Materialien.

00:04:17: Es ist ein ganzheitliches Denken und hat sich ein bisschen gelöst von dieser klassischen traditionellen Bildhauerei, wie wir sie alle im Kopf haben.

00:04:25: Es geht darum, die Umwelt, die sozialen Systeme, ganzes Sein mit einzubeziehen in die Ideen und in die Projekte.

00:04:33: Und aus der Phase heraus ist dann ja auch, sag ich mal, ein künstlerischer Weg mit Projekten im öffentlichen Raum, mit Ausstellungen, Erinnerungsarbeiten und so weiter

00:04:41: entstanden und später auch das Duo Jörchl-Tragseiler mit Wolfgang Tragseiler, bei dem es dann auch gescheiterte Utopien ging und Kunstmarktmechanismen, große Namen, leere

00:04:53: Versprechen und manchmal auch das eigene kleine Guggenheim, wenn ich das richtig

00:04:58: Genau und unser letztes geniales Projekt war, dass wir mit dem Kreuzfahrtschiff das Louvre in Abu Dhabi eröffnet haben als Museumsdirektoren.

00:05:07: Ah ja, okay, cool.

00:05:10: Ja, nachdem kam aber dann auch Deutschland ins Spiel.

00:05:13: Sprich, du warst zuerst in Stuttgart und schließlich und endlich jetzt in Berlin und damit auch eine kleine Verschiebung vom eigenen künstlerischen Arbeiten hin.

00:05:22: Du hast es jetzt schon ein bisschen angetriggert, aber vom Vermittlung kuratieren, ja, quasi vom Künstler und Kurator hin zum Founding Director und zwar das

00:05:37: Wie schon erwähnt, Samurai Museums, des einzigen in Europa.

00:05:42: Das Einzigen in Europa, einzigst.

00:05:44: Wenn du da irgendwer einzigst sagst, dann stelle ich mir die Haare ab.

00:05:46: Jetzt darf ich das nicht sagen.

00:05:50: Genau.

00:05:52: das ist jetzt ein Museum, ich würde sagen kein klassisches Museum, wo es darum geht, ruhig, bitte leise sein, bitte nichts anfassen und durchgehen und nur beeindruckt nicken

00:06:04: und sagen so, oh, schön.

00:06:07: sondern es ist ein Ort, dem historische Samuraiobjekte auf Ars Electronica, holographische Projektionen, 3D-Modelle, Popkultur, Manga vielleicht auch bisschen, Anime, Gaming und

00:06:24: ziemlich viel Gegenwart treffen.

00:06:26: Und was die tolle Arbeit, du und dein Team hier leisten, auch widerspiegelt das Museum, ist für den European Museum of the Year Award 2026.

00:06:36: nominiert worden und ob ihr den bekommt erfahrt ihr kurz nach der Ausstrahlung von diesem Podcast.

00:06:44: Wir erhoffen, also in Bilbao ist dann die Ausstrahlung oder die Verleihung.

00:06:51: Wir freuen uns schon alle sehr darauf.

00:06:52: Es ist eine große Ehre, dass wir nominiert wurden.

00:06:54: Und das hängt auch damit zusammen, dass wir ein unglaublich spannendes Konzept haben, das gemeinsam mit Ars Electronica Solutions entwickelt wurde, Teil, also ein Teil von Ars

00:07:05: Electronica.

00:07:06: Und ich würde deine Anfangsbemerkung ein bisschen ergänzen.

00:07:10: Wir sind eigentlich schon ein klassisches Museum.

00:07:13: Wenn man durch das Museum läuft und die ganze digitale Technik beiseite lässt, könnte man sich eigentlich in einem klassischen normalen Museum befinden, was ich per se auch

00:07:23: großartig finde, weil ich aus dem Kunstkulturbereich komme, weil ich auch lange kuratiert habe und viele Ausstellungen gemacht habe.

00:07:30: Aber wir sind dann noch einen Schritt weitergegangen, weil wir uns gedacht haben, wie können wir diese wahnsinnig spannende, interessante, abwechslungsreiche und für uns

00:07:38: unbekannte Geschichte der Samurai

00:07:41: für die Leute greifbarer machen.

00:07:43: Wie können wir das näherbringen?

00:07:45: Und deswegen gibt es diese unterschiedlichsten Stationen.

00:07:48: Es gibt den Fuchs Kitsune, der als Guide durch das Museum führt.

00:07:52: Es gibt eben ganz viele Stationen, wie wir gerade gemeinsam gesehen haben, wo man interaktiv, fast schon immersiv das Leben der Samurai ein bisschen kennenlernen kann und

00:08:04: wo man diese Objekte,

00:08:08: Außergewöhnlich sind in ihrer Qualität und in ihrem...

00:08:15: in ihrer Sammlungsgeschichte, wie wir die, dessen Leuten, den Besucher, Besucherinnen besser vermitteln können, weil für uns japanische Geschichte am meisten sehr weit weg

00:08:25: liegt.

00:08:26: Und was interessant ist, ist, ja auch im Privatmuseum und das ist, das auch ja erzeugt, man das im Privatmuseum auch erfolgreich betreiben kann.

00:08:38: Bedeutet ja auch, ich muss Marketing, ich muss Strategie, ich brauche auch anders denken, ich brauche Mut, ich brauche Geschwindigkeit und vermutlich auch sehr viel Kaffee.

00:08:48: Ich weiß, du bist in Tirol, aber...

00:08:51: Auch die Tiroler trinken den Kaffee so wie die Wiener.

00:08:53: Und das liegt uns ja quasi im Blut.

00:08:57: Aber lass uns dann nachher noch mal kurz darauf eingehen.

00:08:59: Lass uns davor, bevor wir da jetzt tiefer einsteigen, zu den AB-Fragen kommen.

00:09:06: Die AB-Fragen.

00:09:08: Du weißt, worum es geht.

00:09:10: Es gibt zwei Fragen.

00:09:11: Also es gibt eine Frage, es gibt zwei Antwortmöglichkeiten.

00:09:13: Du musst dich für einen entscheiden.

00:09:14: Und die Fragen handeln rund das Thema Digitalisierung.

00:09:20: Und es geht darum, dass vielleicht die ZuhörerInnen nachher auch die eine oder andere Antwort von dir auch noch mal anders einordnen können.

00:09:28: Wir starten mit Bildung online oder offline.

00:09:33: Aufrennen!

00:09:34: Automatisiert oder menschliche Entscheidungsfindung?

00:09:37: menschlich.

00:09:39: stärkere Regulierung oder mehr Freiheiten für Unternehmen.

00:09:41: Mehr Freiheiten.

00:09:43: Vollkommener Schutz persönlicher Daten oder weniger Datenschutz zur Wahrung der Sicherheit und des Wohlste Allgemeinheit.

00:09:49: weniger Schutz.

00:09:51: Und Web-Meetings oder persönliche Treffen.

00:09:55: So, warum Bildung offline?

00:09:59: Ich habe selber angehende Lehrer, Lehrinnen unterrichtet.

00:10:04: Ich habe sehr viele Schulprogramme gemacht und ich bin überzeugt davon, natürlich soll es Online-Bildungsmöglichkeiten geben und das ist super wichtig.

00:10:14: Aber ich habe einen anderen Draht zu den Leuten, ich mit denen offline sprechen kann, wenn ich mehr mitbekomme, was die umtreibt.

00:10:25: Und ich kann Gruppen besser erfassen, wenn ich offline mit denen arbeite und würde sozusagen eine Mischung daraus machen.

00:10:34: Starten immer offline und dann online immer mehr vielleicht ins Online gehen.

00:10:39: Aber um sozusagen besser die anderen abzuholen, ist für mich dieser Offline Gedanke immer noch der stärkste, speziell wenn man mit Leuten arbeitet.

00:10:55: die mehr Unterstützung benötigen.

00:10:57: habe viel mit Werk-Realschulen zum Beispiel gemacht in Stuttgart, Station, ich vorher war, wo dann die Lehrpersonen zu mir gekommen sind und gefragt haben, wie machen sie das?

00:11:07: Die Schüler kommen freiwillig zu Ihnen.

00:11:10: Zu uns kommen sie nicht einmal in die Schule.

00:11:12: Dann habe ich gemeint, du musst halt das Kind in den Mittelpunkt stellen und das funktioniert eigentlich nur, wenn du das offline machst und deswegen komme ich aus dieser

00:11:23: Richtung.

00:11:25: Dann war es menschliche Entscheidungsfindung.

00:11:27: Menschliche Entscheidungsfindung, weil der Mensch die Kreativität einfach unerreicht ist und da sind wir noch weit weg.

00:11:34: Ich bin ein großer Fan von der KI, bin super interessiert daran, diese neuen Dinge kennenzulernen.

00:11:42: Bin super gespannt, wenn dann der Quantencomputer kommt, was das noch einmal für Schritte macht.

00:11:47: Aber letztendlich als ausgebildeter und überzeugter Künstler ist das der kreative Prozess, sozusagen die menschliche Entscheidung für mich immer noch das oberste und geilste, was es

00:11:57: gibt.

00:11:57: Und dann war es auch mehr Freiheiten für Unternehmen.

00:12:02: Ganz klar, was mir hier in Berlin begegnet und wenn ich mit Kollegen und Kolleginnen spreche, es gibt einfach viel zu viele Vorschriften im Sinne von, dass alles viel zu lange

00:12:15: dauert.

00:12:16: Es dauert Jahre, Jahrzehnte.

00:12:19: Wenn ich jetzt den Flughafen nehme als Beispiel, wenn ich die Museumsinsel nehme, über Jahrzehnte wird da gebaut, was ist ein Unding aus meiner Sicht.

00:12:32: Und wir als Privatmuseum mit Null Fördermittel sind da natürlich ganz anders drauf und sind wesentlich schneller, weil das so nicht funktioniert und aus meiner Sicht auch ein

00:12:43: Stück weit unverantwortlich ist, weil man sich einfach nur selber im Weg steht und weil das auch keinen Spaß macht.

00:12:49: uh

00:12:51: weniger Datenschutz.

00:12:53: weniger Datenschutz im Sinne von, dass man einfach schneller wird und dass man mehr und schneller lernt.

00:13:03: Nicht im Sinne von, dass die Leute ausspioniert werden oder dass die Daten missbräuchlich verwendet werden.

00:13:10: Das Thema Copyright oder so ist ja nochmal ganz ein eigenes.

00:13:15: Das würde ich jetzt da ausgeklammert sehen, aber mir geht es darum, einfach Geschwindigkeit aufzunehmen.

00:13:20: Und ich habe hier in Berlin das Gefühl, dass man irgendwie unter so einer schweren Decke ist und überhaupt nicht vorwärtskommt.

00:13:26: Und das beginnt bei der Müllentleerung bis zur keine Ahnung, was, wenn ich einen Antrag stelle oder so.

00:13:31: Das dauert alles ewig.

00:13:34: Und da muss ich einfach Gas geben und schneller werden, damit ich auch noch irgendwie die Relevanz als Hauptstadt von Deutschland habe, wo es halt an ganz vielen Ecken und Enden

00:13:50: Schwierigkeiten gibt, es freundlich zu formulieren.

00:13:54: Und dann last but not least persönliche Treffen.

00:14:00: Persönliche Treffen sind für mich einfach unabdingbar.

00:14:03: Schließt sich ein bisschen mit den Offline-Ausbildungen, dass man...

00:14:11: Ich habe sehr viele Online-Meetings gemacht.

00:14:14: Wir alle haben die gemacht und diese Erfahrungen gemacht, speziell während Covid, wo man sich nur noch online getroffen hat teilweise.

00:14:23: Und für mich...

00:14:25: besteht eben dieser persönliche Austausch immer noch, also steht der persönliche Austausch immer noch an erster Stelle und im Sinne von der Wahrnehmung von den anderen Personen und

00:14:35: das Verstehen, das Kennenlernen, das Aufeinanderzugehen, so wie wir das jetzt gerade mit der T-Zeremonie besprochen haben, ist für mich eben dieses Offline immer noch unerreicht

00:14:47: und wird es wahrscheinlich immer bleiben.

00:14:50: Okay.

00:14:52: Super, dann war's das mit den AB Fragen, dann starten wir rein mit den anderen.

00:14:58: Bist du wie ich Österreicher in Deutschland?

00:15:00: Ja.

00:15:02: mehr im Nord nicht mehr im Süden.

00:15:04: Gibt es etwas, was du hier vermisst oder vielleicht auch nicht vermisst?

00:15:09: Also was ich vermisse ist das gute Essen, wenn ich einkaufen gehe.

00:15:14: Es gibt hier fast kein Brot, das man kaufen kann als Österreicher.

00:15:20: Wobei ich den Luxus habe, dass ich hier ganz in der Nähe eine Bäckerei habe, die sozusagen ein Superbrot macht.

00:15:26: Aber so die durchschnittliche Qualität von den Lebensmitteln finde ich hier nicht so toll wie in Österreich.

00:15:33: Also in Österreich ist man auch mit diesem ganzen Bio, regional, sonst irgendwie wesentlich weiter.

00:15:40: Dann hat man als Österreicher und ich treffe ja auch unterschiedliche Österreicher, die hier in Berlin arbeiten oder in Deutschland sind, hatte man immer dieses, wie ich noch in

00:15:51: Österreich war, man blickt auf Deutschland und irgendwie so Deutschland, Deutschland so super organisiert, alles funktioniert hier, alles ist toll und dann kommt man hierher und

00:15:59: denkt sich, das habe ich mir aber anders vorgestellt und das ist irgendwie anders.

00:16:04: Also ich vermisse hier einfach Geschwindigkeit, Effizienz.

00:16:09: Nachhaltigkeit im Sinne von lass uns das endlich mal machen.

00:16:14: Und das hängt vielleicht auch ein bisschen mit Berlin zusammen, weil das nochmal anders ist, wie jetzt Stuttgart, wo ich vorher war.

00:16:20: Aber.

00:16:25: Das würde ich sozusagen hier ganz anders sehen und was ich in Österreich auch sehr schätzen gelernt habe, dass es in Österreich auch sehr viele Vorschriften gibt und dass

00:16:34: man aber nicht alle Vorschriften bis zum Ende durch exerziert, sondern irgendwie so passt schon.

00:16:40: Das machen wir jetzt.

00:16:43: Es geht darum, die Lösung in den Mittelpunkt zu stellen und nicht das Problem oder die Vorschrift.

00:16:47: Und das ist eine österreichische Tugend, die ich hier sehr vermisse.

00:16:52: Okay.

00:16:53: Spannend.

00:16:54: Tatsächlich das Thema Bürokratie.

00:16:56: sage auch immer zu Hause, wenn ich nach Mödling komme, es ist nichts besser hier in Deutschland.

00:17:04: Manchmal gefühlt noch schlimmer.

00:17:06: Und nahrungsmittelmäßig, also wir haben gute Bäckereien unten im Süden.

00:17:09: Aber eine Sache, die mir immer abgeht, es gibt keine Soletti in Deutschland.

00:17:15: Und ich liebe Soletti.

00:17:17: Das sind die besten Salzstangen, die es gibt.

00:17:20: Ich wurde immer belächelt von Freunden während meiner Promotionszeit, bis ich sie mal mitgebracht habe.

00:17:25: Dann kamen sie zu mir demütig und haben gesagt, du hast recht, es sind wirklich die Besten.

00:17:30: Also ich verstehe das total.

00:17:32: Ich habe ganz lang nach Apfelstrudel gesucht, habe den auch gefunden in der Bäckerei bei mir die Ecke und habe vor kurzem auch Almdudler hier bei einem Messestand kennengelernt.

00:17:43: Und da war auch wieder so ein Klischee.

00:17:46: Du lernst die Leute kennen, Almdudler Messestand.

00:17:51: Eine Woche später ist von denen eine Kiste Almdudler bei mir im Museum abgeliefert worden als kleines Dankeschön.

00:17:57: Das ist einfach ein anderer Umgang, den wir da haben.

00:17:59: Das ist witzig.

00:18:04: So, jetzt habe ich auch schon ein Founding Director, viel Kunst und Kultur und ich gehe auch mal davon aus, dass du selbst jetzt nicht nur durch dein Museum läufst, sondern auch

00:18:16: andere Museen besuchst.

00:18:20: privat und beruflich.

00:18:22: Was macht dich denn eigentlich, wenn du jetzt durch so ein Museum gehst, eigentlich schnell ungeduldig sind es irgendwie.

00:18:28: Schlechte Darstellungen, schlechte Texte, schlechte Bilder, schlechte, keine Ahnung, was ist das, wo du sagst, boah, geht gar nicht.

00:18:37: Also als erstes muss ich sagen, ich liebe Museen.

00:18:41: Habe ich mal fast gedacht.

00:18:41: Es kann gar nicht.

00:18:44: Also ich liebe Museen punkt.

00:18:47: Und natürlich gibt es dann Museen, wo ich mir denke, hey Leute, also angefangen von die Beschriftung, die Präsentation, die Vermittlung, die ganz ganz ein wichtiges Element ist.

00:19:02: Wie erzähle ich den Leuten?

00:19:04: diese Geschichte vom Museum und das ist einer der zentralen Dinge, die mich interessieren auch als Museumsdirektor oder als Museumsmensch.

00:19:13: Wie erzähle ich diese Geschichte und wie bringe ich diese Geschichte in die Gegenwart, damit die Leute das spannend finden und damit sie was mitnehmen können und was lernen

00:19:21: können.

00:19:22: Und darum dreht sich dann sozusagen alles weitere.

00:19:27: Ich ärgere mich dann, wenn der Museumshop irgendwie schlecht ist und über 1000 andere Dinge, aber

00:19:34: Die Vermittlung ist das Wichtige und wenn ich in einem Museum bin, ich grundsätzlich glücklich.

00:19:41: Leicht glücklich zu stellen.

00:19:44: klar.

00:19:44: Du, habe ich ja schon erwähnt auch, dass das Samurai-Museum ja für den European Museum of the Year Award 26 nominiert wurde.

00:19:53: Was bedeutet denn so eine Anerkennung für dich und für das vergleichsweise eigentlich auch Junge Haus?

00:20:01: Es ist eine unglaubliche Auszeichnung, weil man schon immer überlegt, wie kann man das Bestmögliche machen und diese Entwicklung.

00:20:13: die Ars Electronica Solutions hier gemacht hat und dieses Museum, dieses Konzept war ja mit unglaublich viel Herzblut von allen Beteiligten und das sieht man auch am Ergebnis

00:20:25: behaupte ich.

00:20:27: Aber es ist natürlich schön, wenn man dann so eine Anerkennung von außen hat und einen europäischen Preis, also nominiert werden zu einem europäischen Preis ist eine wahnsinnige

00:20:36: Auszeichnung.

00:20:37: Es ist die einzige Museumsauszeichnung dieser Art und

00:20:43: Wir wären das erste Museum in Berlin, das diesen Preis gewinnt.

00:20:47: Es gibt auch ganz, ganz wenige Museen, die schon nominiert wurden hier in Berlin oder auch in Deutschland.

00:20:53: Und deswegen ist allein die Nominierung schon Wahnsinn und eine große Ehre.

00:20:59: Also ich drücke die Daumen.

00:21:02: Kurz nach Ausstrahlung kann es dann jeder auch nachschauen.

00:21:06: Jetzt zum anderen Punkt.

00:21:08: Jetzt haben wir es schon echt oft erwähnt.

00:21:09: Das Samurai-Museum.

00:21:10: Aber wie kam es dazu zu diesem Museum?

00:21:13: Wie kam es dazu, dass du das mitgegründet hast und dass das entstanden ist?

00:21:19: Das ist eine lange Geschichte.

00:21:20: Das beginnt eigentlich vor 45 Jahren mit Peter Janssen, der am Flohmarkt auf der Straße des 17.

00:21:27: Juni sein erstes Katana kauft, sein erstes Schwert, weil er ein Objekt haben möchte aus der Samurai-Kultur.

00:21:36: Er war vorher lang mit einem Japaner unterwegs, beruflich, und der hat ihm so viel von Japan erzählt, dass er total angefixt war und er wollte ein Objekt haben.

00:21:47: und ist auf die Straße des 17.

00:21:48: Juni zum Drödelmarkt, Flohmarkt gefahren und hat das gekauft.

00:21:54: Und dann war es einmal gut.

00:21:55: Und dann hat es ganz langsam begonnen.

00:21:59: Er erzählt immer wieder, dass er dann eine Rüstung gekauft hat.

00:22:04: Wo eine Rüstung steht, können zwei Rüstungen stehen und dann kann noch ein Helm dazu sein.

00:22:09: Und dann ist noch das.

00:22:10: Und das hat ganz, ganz langsam begonnen, dass er immer mehr Objekte gesammelt hat.

00:22:16: Am Anfang in seinem Arbeitszimmer.

00:22:20: Irgendwann ist das Arbeitszimmer zu klein geworden.

00:22:25: Und die Sammlung ist gewachsen, gewachsen, gewachsen.

00:22:28: Bis dahin, dass Peter Janssen dann 2017 eine kleine Ausstellung in Dahlem eröffnet hat, am Stadtrand von Berlin.

00:22:38: Das war eher so eine Art Schaudepot, wo begrenzte Öffnungszeiten waren, wo man sich Objekte ansehen konnte.

00:22:47: und wo halt die erste Überlegung gereift ist, ein Samurai-Museum zu eröffnen, was eine Wahnsinnsidee ist, weil gibt es ihn derart nicht und ist auch mit seiner Begeisterung zu

00:22:59: begründen.

00:23:02: mit Covid wurde das dann geschlossen und parallel war der Wunsch von Peter Janssen, in Mitte, im Zentrum von Berlin ein Samurai-Museum zu machen.

00:23:15: Und da ist dann zum Glück Ars Electronica Solutions mit dazugekommen, ein erfahrener Projektpartner und ganz viele andere Architekten, Kuratorinnen, kuratorisches Team, ganz

00:23:31: viele Leute, die dann letztendlich dieses wahnsinns schöne Museum entwickelt haben und die alle damit verantwortlich sind, dass wir jetzt nominiert wurden für bestes Museum in

00:23:41: Europa.

00:23:42: Wie bist du dazu gekommen?

00:23:44: Das habe ich jetzt noch nicht raus gehört.

00:23:45: Ich bin dazugekommen während des Prozesses und es wurde ein Direktor gesucht für das Museum, der das Ganze leitet, weil man hatte schon damit begonnen, aber es hat diese

00:24:01: Figur, diese Person noch gefehlt und man hatte länger gesucht und hat niemand gefunden.

00:24:10: Ich bin ja parallel dazu von Stuttgart nach Berlin gekommen, weil Stuttgart ist toll, aber ich wollte immer nach Berlin.

00:24:18: Als bildender Künstler Berlin ist die Stadt für Kunst, die wichtigste im deutschsprachigen Raum.

00:24:25: Und während Covid sozusagen zu Ende gegangen ist, habe ich beschlossen, okay, ich muss jetzt nach Berlin, weil das ist meine, also das muss jetzt sein.

00:24:33: Und wie ich nach Berlin gekommen bin, habe ich dann halt alle Leute

00:24:37: angesprochen, weil ich sozusagen ins Blaue oder ins Schwarze gesprungen bin, habe in Stuttgart gekündigt und bin nach Berlin gegangen, weil ich in die Stadt wollte.

00:24:47: Und in Berlin habe ich dann alle Leute gesagt, so jetzt bin ich hier, jetzt benötige ich auch einen Job.

00:24:53: Und da hat sich das dann entwickelt, dass ich letztendlich hier in den Kontakt gekommen bin mit Peter Janssen und der dann irgendwann gesagt hat, ja, sie machen das.

00:25:04: Wie darf man sich das dann vorstellen, wenn man so ein Museum gründet?

00:25:07: Du schaust dir die Objekte an und überlegst dir dann irgendwie eine Story, eine Vision oder wie seid ihr da dran gegangen, dann, neben dem, du sagst, wir müssen natürlich

00:25:18: irgendwo eine Immobilie suchen, wo sie reinkommt.

00:25:21: auch wie man das aufbaut, wie man das kuratiert etc.

00:25:26: Nimm uns, mich und die Zuhörerinnen mal mit, wie darf man sich das vorstellen und vor allem, das dann noch diese Idee

00:25:32: Ich mach das doch viel interaktiver und ich mach's anders als andere.

00:25:36: Das ist ein langer, langer, langer, langer Prozess.

00:25:40: Also in dem Fall bin ich halb dazu gekommen, wo vieles schon festgestanden ist, wo eben Ars Electronica Solutions sehr verantwortlich war für diese Entwicklung.

00:25:52: Aber das Projekt war so an einem Punkt, wo man sozusagen nicht weiter wusste oder wo man irgendwie so ein bisschen in der Warteschleife gefangen war.

00:26:02: Es war auch eine schwierige Zeit, Covid war irgendwie so da und niemand wusste wie lange das dauert.

00:26:10: Aber so Ausstellungen zu machen ist ein kommunikativer Prozess, der ganz viele Partner erfordert und wo das Ausgangsprodukt immer die Ausstellungsobjekte sind und das ist für

00:26:23: uns das Allerwichtigste.

00:26:25: Wir haben diese unglaubliche historische Sammlung von Peter Janssen, die historischen Objekte.

00:26:29: die wir auch in den Mittelpunkt Ausstellungen gestellt haben.

00:26:33: wenn man jetzt durch das Museum läuft, sieht man die Objekte in den Vitrinen und auf den Objekten ist nichts irgendwie angestrahlt oder digitalisiert oder sonst irgendwie, weil

00:26:43: die Objekte sind der Mittelpunkt des Museums und die Objekte sind das wichtigste Punkt.

00:26:50: Und man kann durch das Museum laufen als klassisches Museum, wie wir vorhin gesagt haben, aber

00:26:56: Wir wollten halt diese Geschichte noch weitertreiben und das hat auch viel mit Peter Janssen zum tun, dem Museumsgründer, der das Ganze auch finanziert hat, dass er nicht

00:27:06: irgendwie ein Museum machen wollte, wie halt die klassische Vorstellung vor dem Museum ist, sondern dass es interaktiv ist, dass es spielerisch ist, dass man Spaß hat, wenn man

00:27:16: in das Museum geht, im besten Sinn des Wortes, dass man auch wenn man reingeht

00:27:23: neueste Technologien kennenlernt und diese Vermittlungsarbeit da eben auf einer anderen Ebene passiert, viel spielerischer und viel intuitiver.

00:27:33: Und deswegen hat es letztendlich diesen langen Prozess gegeben dann in der Projektentwicklung.

00:27:41: man hat unterschiedlichste Objekte bei uns in der Sammlung.

00:27:44: haben Rüstungen, wir haben Klingen, wir haben Schwertschmuck, wir haben das Thema T-Zeremonie, wir haben das Thema Ninja, wir haben das Thema No Theater.

00:27:53: Wir haben das Thema Kunst und Kultur in der Samurai Kultur und da nähert man sich dem Prozess halt schrittweise immer wieder an, was will man eigentlich in dem Museum alles

00:28:04: vermitteln, welche Teile sollen gezeigt werden, wie kann eine Struktur aussehen und man entwickelt Pläne, die man dann tausendmal wieder verwirft und neu entwickelt, weil man

00:28:16: auch Konzepte hat und dann

00:28:19: eben weitergeht.

00:28:20: Wie sieht es aus mit der Digitalisierung?

00:28:22: Was kann ich machen im Sinne von 3D Aufnahmen?

00:28:27: Wie sieht das mit der Technik aus?

00:28:28: Und dann muss ich das wieder in den Raum fordern.

00:28:30: Also das ist ein ständiges Versuchen und wieder neu arrangieren und neu denken und sozusagen ein ständiger, langer Prozess, bis ich einmal zu so einem Konzept komme, dass

00:28:43: ich dann halbwegs umsetzen kann.

00:28:45: Und dann ist es auch noch ein weiter Weg.

00:28:47: Jetzt hast du schon ganz viel angesprochen, was ihr macht, 3D-Modellierung, Hologramme.

00:28:54: Es war wirklich beeindruckend, war echt lässig, wie wir da durchgegangen sind.

00:28:59: es regt wirklich an zu sagen, okay, gut, ich gehe da tief rein.

00:29:01: Ihr habt ja jetzt auch einen Audio-Guide, AI-Audio-Guide in 20 verschiedenen Sprachen, den ich dann auch noch mal zusätzlich Fragen stellen kann zu den Objekten.

00:29:11: Sprich, ich muss mir das gar nicht durchlesen, sondern ...

00:29:15: Ich stelle auf der App die Frage und der gibt mir noch zusätzliche Informationen über die Schwerterklingen.

00:29:20: Keine Ahnung, was ich brauche, was ich ja super spannend finde.

00:29:25: Wo ich mir die Frage stelle ist, wie definiert sie?

00:29:29: Okay, das ist jetzt auch wirklich dann ein Besucher-Mehrwert oder?

00:29:32: Nee, das ist mehr Spielerei dann.

00:29:35: Gibt es da irgendetwas an einem Sweet Spot, wo du sagst, da muss man aufpassen, dass wir da nicht den Bogen überspannen?

00:29:41: Das ist eine ganz gute Frage und das ist auch eine schwierige Frage, weil man das im Vorhinein, zum Beispiel in der Museumsplanung, sehr schwer sagen kann.

00:29:47: Und natürlich spielt da Erfahrung eine große Rolle.

00:29:53: Ich habe schon extrem viele Ausstellungen gemacht, kuratiert und weiß, wie Besucher, Besucherinnen funktionieren.

00:30:00: Genauso unsere Projektpartner.

00:30:02: Aber wie das dann in der Praxis aussieht, ist nochmal ganz eine andere Nummer, weil wir stellen uns alle was vor und dann letztendlich funktioniert das gar nicht.

00:30:09: Und natürlich war das super spannend bei der Museumseröffnung einmal zu sehen, wie reagieren ja die Leute darauf.

00:30:15: Wir haben uns jetzt fertig was ausgedacht.

00:30:17: Wir haben alle gedacht, das ist super.

00:30:19: Aber es könnte natürlich auch sein, dass die sagen, also so nicht.

00:30:23: Und je länger wir offen hatten und je mehr Rückmeldungen gekommen sind, desto mehr haben wir gesehen, wie begeistert die Leute auf unser Museum reagieren, dass wir

00:30:36: das, was wir uns überlegt haben, auch aus gutem Grund überlegt haben und dass das auch funktioniert.

00:30:43: Und dass, wenn ich jetzt die Google Bewertungen ansehe oder die Rückmeldungen von den Besucherinnen, die sind durchwegs begeistert.

00:30:53: Also nicht nur super Museum, sondern komplett begeistert.

00:30:57: Und das macht es halt natürlich schon super spannend.

00:31:01: Und da sind wir auch sehr dankbar, dass wir so eine

00:31:03: positive Reaktionen haben, weil es könnte ja auch natürlich ganz anders sein.

00:31:08: eine Besucherreaktion, die dir noch im Kopf ist, wo du sagst, boah, ich hab mich echt überrascht.

00:31:14: Also es gibt Besucherreaktionen, wie zum Beispiel ein Elternteil, der mir erklärt hat, dass sein Sohn das 15.

00:31:20: Mal im Museum war, wo ich zu ihm, dem Sohn, gesagt habe, kannst du nicht bei uns als Guide arbeiten, bitte.

00:31:27: Es gab Besucherreaktionen aus England, wo Leute bei uns waren und die mir dann geschrieben haben, sie waren jetzt sieben Stunden im Museum und der einzige Grund, warum sie

00:31:36: rausgegangen sind, war die körperliche Erschöpfung.

00:31:38: Aber sie kommen wieder.

00:31:40: Und sowas sind halt super schöne Komplimente, wo man sieht, ok, das funktioniert.

00:31:48: Weil du gerade auch Kinder angesprochen hast und du hast auch gesagt, ist ein sehr breites Publikum, das ihr ansprecht unter anderem Kinder.

00:31:53: Sind das die ehrlichsten Kritiker bei euch im Museum?

00:31:56: Ja.

00:31:57: Und ich finde das auch immer die tollsten Führungen.

00:31:59: Ich habe viele Führungen gemacht, der Vergangenheit auch mit Kindern, mit Schulgruppen.

00:32:04: hatte hier auch schon einmal, waren so viele Leute krank und im Urlaub, dass ich selber eine Kindergruppe durchgeführt habe und habe mich irrsinnig darauf gefreut, weil die geben

00:32:13: dir eine direkte Antwort.

00:32:14: Und sobald du nicht mehr die Aufmerksamkeit der Kinder hast, drehen sich die oder machen was anderes.

00:32:19: Also du musst selber auch liefern und dann sagen sie dir einfach cool oder begeistert oder sonst irgendwie oder

00:32:27: Das interessiert mich überhaupt nicht und das finde ich ganz toll.

00:32:31: Eine tolle Qualität bei Kindern und deswegen arbeite ich auch sehr gerne mit Kindern, Jugendlichen, weil die ganz direkt sagen, hey, so nicht oder das Gegenteil, ich komme

00:32:40: freiwillig und mache noch was extra.

00:32:42: Welche ist denn so die Installation im Museum, die der Renne ist oder vielleicht auch auf der anderen Seite die, vielleicht am meisten unterschätzt ist?

00:32:53: Das ist auch eine tolle Frage, weil wir Besucherbefragungen schon gemacht haben.

00:32:59: Wir haben so viele, wie du jetzt gerade gesehen hast, unterschiedliche Installationen vom Yokai Game, dieser Fächerinstallation, diese Tusche, Interaktion, den Vitrinen, wo sich

00:33:11: die Inhalte drehen, diese sogenannten Gigapixel-Aufnahmen.

00:33:14: Und dann haben wir mal überlegt, was ist denn das Highlight im Museum?

00:33:19: Was?

00:33:19: beeindruckt die Besucher am meisten und haben Befreiung gemacht und sind rausge...

00:33:23: also haben mit dem Ergebnis, es gibt nicht das eine Highlight, was natürlich ein Vor- Nachteil ist.

00:33:31: Es gibt viele Leute, finden diese T-Zeremonie, dieses aufmerksame Miteinander, dieses Bewusste, einfach am tollsten, gemeinsam mit den Werten der Samurai.

00:33:42: Dann gibt es natürlich den Bereich Ninja, Yokai-Game, der für Kinder, Jugendliche immer super spannend ist.

00:33:49: Es gibt dieses unglaublich beeindruckende Noh-Theater, ein originales Noh-Theater, das von japanischen Handwerkern hier wieder aufgebaut wurde, wo ich eben 30 Sekunden, 30 Minuten

00:34:00: abwechselnden Rhythmus Taiko-Trompeln auf der Bühne sehe und in unserem Fall war ein kurzer Ausschnitt aus dem Noh-Theater eine spezielle Theaterform von den Samurai, für die

00:34:12: Samurai entwickelt.

00:34:13: Es gibt diese Fächerinstallation und deswegen

00:34:18: könnte gar nichts rausnehmen und es gibt zum Glück oder leider nichts, wo man sagt, alle Leute kommen jetzt wegen dem No Theater, weil es so verschieden ist, dass ich ganz

00:34:32: verschiedene Besuchsgruppen ansprechen kann und das Highlight ist das Museum.

00:34:39: Sehr cool.

00:34:40: Und der Fuchs der Kitsune führt auch durch.

00:34:44: Bin mal gespannt, ob meine Idee auch umgesetzt wird, ich eigentlich eingemacht habe, ob das technologisch machbar ist.

00:34:53: Vielleicht kommen wir auch, lass uns mal vom Museum weitergehen, zum großen Ganzen generell, zur Kunst und Kultur und dem Thema Digitalisierung.

00:35:05: Wie ist denn da aus deiner Sicht der Stand der Dinge?

00:35:10: Ist Digitalisierung in Kunst und Kultur angekommen?

00:35:15: Ist es mittendrin oder steckt es noch in den Kinderschuhen?

00:35:21: uns ist es nicht nur angekommen, sondern wir sind da ganz vorne mit dabei.

00:35:27: Wir haben angefangen von Dynamik Pricing bis zum interaktiven KI Audio Guide.

00:35:32: Wir sozusagen wirklich, glaube ich, ganz vorne.

00:35:36: Wir machen auch viel im Marketingbereich.

00:35:39: sind aber auch ein Privatmuseum, das Besucher liebt im Sinne von ich möchte denen was erzählen, ich möchte denen was vermitteln und ich möchte, dass Besucher in meinem Haus

00:35:49: sind.

00:35:50: In der allgemeinen Museumsszene ist das noch sehr gespalten.

00:35:53: Es gibt natürlich den großen problematischen Bereich mit den Rechten.

00:35:57: Also was passiert damit?

00:35:59: Wem gehört was?

00:36:00: Weil das jetzt alles über den Haufen geworfen wird.

00:36:03: Aber ich bin halt auch davon überzeugt, dass wir jetzt ein neues Tool in die Hand bekommen haben.

00:36:09: Und letztendlich ist das wie damals, wie die Fotografie gekommen ist, einfach ein komplett neues Element, das sich einsetzen kann.

00:36:18: natürlich nicht muss, wenn ich nicht möchte, aber das halt superspannende Möglichkeiten bietet und neue Felder eröffnet, die wir jetzt noch gar nicht abschätzen können und ich

00:36:29: freue mich darauf.

00:36:30: Jetzt hast du gesagt, diesmal einsetzen kann, aber nicht muss.

00:36:35: Jetzt würde ich mal einen Schritt weitergehen.

00:36:37: Wie ist die Erwartungshaltung vom Publikum?

00:36:39: Ist es eher so, dass ich erwarte, oder vielleicht muss man auch differenzieren zwischen jung und alt und keine Ahnung, auch vielleicht zwischen Nationen, ist eine

00:36:50: Erwartungshaltung da, dass Digitalisierung in Museen oder in der Darstellung genutzt wird, in der Kommunikation?

00:36:58: Also ich würde behaupten, ja, wobei ich das sehr vorsichtig sage, weil ich festgestellt habe, dass speziell hier in Deutschland oder vielleicht auch in Berlin die Leute sehr

00:37:10: skeptisch sind.

00:37:12: Demgegenüber, also wenn ich jetzt von Berliner Berlinern spreche, die sind nicht irgendwie so, wir sind jetzt die ersten, da mit dabei sind und wir testen das jetzt aus, sondern im

00:37:20: Durchschnitt ist man sehr skeptisch.

00:37:22: Das fängt an bei diesem Thema Bargeld.

00:37:25: dass viele Leute, wir wollten mal das Bargeld sozusagen ganz wegbringen und dass man nur mit Karte bezahlen kann und darf, kannst du nicht machen hier.

00:37:35: Und manchmal hatten wir das Gefühl, dass wir, wenn wir so technologisch unterwegs sind, was wir sind, dass wir fast ein bisschen zu schnell sind für hier, weil die Leute nicht

00:37:48: dazu bereit sind oder noch nicht so weit sind.

00:37:51: Jüngere Leute sind da natürlich schon mehr dabei, aber so dass

00:37:55: Die durchschnittliche Familie ist nicht so digital, wie ich mir das vorgestellt habe oder wünschen würde oder wie ich persönlich zum Beispiel bin.

00:38:06: befordert ihr manchmal auch das Publikum?

00:38:10: Das könnte sein, wobei wir versuchen, schon die Schwelle sehr niedrig zu halten.

00:38:16: Also bei diesem KI Audio Guide, den du angesprochen hast, ist es so, dass du das eigene Smartphone verwendest.

00:38:21: Du hast eine Web App, du scannst mit deinem eigenen Handy einen QR-Code und bist schon drinnen.

00:38:27: die Latte liegt so tief, dass man eigentlich sehr schnell da reinsteigen kann.

00:38:34: Und wenn man die Reaktion der Besucherinnen bei uns ansieht, sind die ja danach begeistert, wenn sie das sehen.

00:38:39: sind auch begeistert, wenn sie das Museum sehen und die ganzen technologischen Entwicklungen, aber würden deshalb nicht unbedingt ins Museum gehen.

00:38:50: Wenn man jetzt an die Kulturinstitutionen denkt und wenn die sagen, okay, wir wollen was zum Thema Digitalisierung machen, gibt es da was, was viele auch falsch verstehen, wenn es

00:38:59: ums Thema Digitalisierung geht, wo die sagen, okay, gut, ja, manche wollen es, aber haben es im Prinzip, setzen falsch an?

00:39:07: Gibt es da sowas?

00:39:09: Ich denke, dass man das Ganze halt aus meiner Perspektive irgendwie offener betrachten muss.

00:39:15: Es gibt natürlich überall Probleme.

00:39:17: Also das fängt an mit dem Datenschutz.

00:39:19: Das fängt an, wo diese ganzen Daten dann liegen.

00:39:22: Das geht weiter bis zum Urheberrecht, was wir schon gesagt haben oder so.

00:39:27: Aber letztendlich ist es so, dass es auch Diskussionen gibt, dass man KI verbieten soll oder dass man das gar nicht verwenden soll oder so.

00:39:35: Und dann muss ich sagen, Leute, dieser Zug ist abgefahren.

00:39:38: Das rollt über uns drüber, egal ob wir das wollen oder nicht.

00:39:41: Und natürlich kann jede Person für sich und soll auch entscheiden, wie und ob das sozusagen verwendet wird.

00:39:48: Aber dass das da ist und dass das nicht mehr weggeht, das ist Realität.

00:39:52: Und da geht es eher darum, wie wir uns damit auseinandersetzen, wie wir damit umgehen und dass wir einen offenen, experimentellen, spielerischen Umgang entwickeln, abseits von dem,

00:40:03: dass natürlich das alles kritisch betrachtet wird.

00:40:05: dass wir uns auch nicht 50 Jahre Zeit lassen, bis wir mal drüber nachdenken, ob wir jetzt KI einführen oder nicht, dann ist das einfach zu spät.

00:40:14: Viele Häuser digitalisieren ja, sage ich mal, auch das Thema Kommunikation oder das Thema Ticketing und so weiter und so fort.

00:40:19: Ihr habt es ja sehr stark beim Besuchererlebnis angesetzt, gleich am Anfang.

00:40:25: Gab es einen ganz speziellen Grund?

00:40:26: Habt gesagt, das wollen wir einfach, das ist für uns der Schlüssel?

00:40:30: Oder ich meine, ich habe schon ein bisschen rausgehört, aber ihr hättet ja auch sagen können, okay, wir haben da so Ideen und wir starten halt mal, wir machen jetzt nur mal das

00:40:38: Ticketing oder sowas unter die Kommunikation.

00:40:40: Aber ihr seid ja gleich mit Ars Electronica.

00:40:44: sehr ins Folge gegangen.

00:40:46: Wir sind ins Valle gegangen.

00:40:47: Das hat sehr viel mit unserem Museumsgründer Peter Janssen zu tun, der das einerseits finanziert und andererseits auch davon überzeugt ist, dass das der richtige Weg ist und

00:40:57: dass wir alle, die wir gemeinsam mit dem Projekt waren, gewusst haben, das ist der zukünftige Weg.

00:41:04: Das ist ein Weg, der einmal was Neues zeigt und der diese außergewöhnliche Sammlung noch einmal in einer anderen Perspektive darstellt.

00:41:14: weil wir auch wissen, dass wenn ich die fünfte Samurai Rüstung gesehen habe, ich vielleicht gar nicht mehr diese Unterschiede sehe und dass ich natürlich oder dass ich

00:41:26: halt hier im Museum habe ich die Creme de la Creme von Samurai Rüstungen, von Samurai Kultur, von japanischer Kultur im Museum kann ich hier leben, kann ich hier sehen und ich

00:41:38: muss aber auch eine Möglichkeit haben, diese Unterschiede kennenzulernen oder diese Qualität zu sehen.

00:41:43: Und das versuchen wir über diese digitalen Elemente zu lösen.

00:41:48: Und das funktioniert aus meiner Sicht wesentlich besser.

00:41:51: Also wenn ich die ganze Zeit was durchlesen muss, dann schalte ich halt schnell ab.

00:41:55: Also ich benötige was zeitgemässes, spielerisches, damit ich auch die Familien und junge Menschen ins Museum bekomme, weil ich selber Kinder habe und weiß, wie schwierig es ist,

00:42:05: Kinder davon zu überzeugen.

00:42:07: Jetzt lasst uns ins Museum gehen und die sagen dann ja super.

00:42:10: Und bei uns ist es umgekehrt.

00:42:12: Das, was du jetzt auch besprochen hast, da klingt ja ganz stark raus, die Arbeit der Kuratorinnen wird sich auch ganz stark ändern aufgrund der Technologie.

00:42:21: Wohin gehend, wohin wird die Richtung gehender?

00:42:23: Von wo wohin?

00:42:26: Das ist natürlich auch jetzt so ein Spannungsfeld, weil wenn ich die ganzen Leute nehme, jetzt Texte geschrieben haben, die Übersetzungen gemacht haben, die sonst was gemacht

00:42:38: haben, das sind viele Bereiche, die jetzt ganz stark in Frage gestellt werden.

00:42:43: Die haben natürlich auch Angst berechtigterweise bzw.

00:42:46: haben jetzt eine Ausbildung gemacht und fragen sich, ja, was ist jetzt?

00:42:50: Jetzt wird alles von der KI übernommen und

00:42:54: Meine Überzeugung ist, dass dieser kreative Prozess immer das Non-Plus-Ultra sein wird, dass die KI in dem Fall oder in dem Sinne nicht so schafft, wie ein menschlicher Geist das

00:43:09: machen kann und dass man sich auf diese Bereiche konzentrieren soll und dass halt vieles dann abgegeben werden kann und neu entwickelt werden kann, aber wo das dann letztendlich

00:43:20: hingeht.

00:43:21: Wir stehen jetzt da wirklich so am Anfang, dass ich das nicht abschätzen kann.

00:43:27: Jetzt ist die Technologie kann ich ja unterschiedlich einsetzen, so wie du es auch gemacht hast oder ihr es hier macht.

00:43:36: Wo sind denn die größten Potenziale?

00:43:38: Geht es Richtung Emotionalisierung?

00:43:40: Geht es um Vertiefung von Themen?

00:43:43: Geht es Barrierefreiheit?

00:43:45: Wo hat man da technologisch aus deiner Sicht den großen Potenzial?

00:43:49: Ich glaube, das geht um Individualisierung.

00:43:51: Ich kann auf meine Besucherinnen am besten reagieren und ich kann interagieren mit den Objekten, mit dem Museum, also Museum und Besucherinnen.

00:44:01: Ich kann maßgeschneiderte Angebote schaffen, die ich sonst so nicht bereitstellen könnte.

00:44:09: Und das ist eine große Chance, ich sonst wo ich gar keine Möglichkeit habe und

00:44:18: kann sie wesentlich besser abholen und kann viel mehr davon geben.

00:44:21: Jetzt hast du auch schon das Thema KI erwähnt.

00:44:27: Also ihr nutzt ja auch KI.

00:44:30: Wenn wir das jetzt mal weitertreiben, also wir haben jetzt dieses Foto, also ich wurde zum Samurai über KI, ihr habt den Audioguide und so weiter und so fort.

00:44:41: Wo stecken da aus deiner Sicht jetzt auch noch Potenziale, der ganzen Sensorik, die es gibt, die Projektionsmöglichkeiten der anderen Technologie, also wirklich?

00:44:51: das Thema KI zu nutzen.

00:44:52: Was siehst denn du da noch?

00:44:54: Oder ist es mehr Hype für dich?

00:44:57: Es ist auf jeden Fall ein Hype, eben, wie gesagt, wird bald Alltag werden und wird ein wichtiger Begleiter werden.

00:45:07: Wir fragen uns zum Beispiel, wie KI im Thema Marketing eingreifen wird, weil diese klassische Suche über Suchmaschinen bald anders funktionieren wird und wie Besucherinnen

00:45:21: gesteuert werden, also wie sie zu uns ins Museum kommen.

00:45:25: wenn die KI dann letztendlich die Reisepläne vorschlägt.

00:45:28: Theoretisch könnte die ganze Reisebranche komplett umgekrempelt werden, wenn das so weitergeht, weil ich einfach über die KI sozusagen andere Lösungen bekomme.

00:45:39: Und im Museum selber sehe ich das interessant, weil das Museum hat ja drei grundsätzliche Aufgaben des Bewahren erhalten und vermitteln.

00:45:49: Und in diesen drei Feldern kann ich mit KI natürlich

00:45:54: und viel Dinge vielleicht anstellen in Zukunft, die ich vorher nicht gemacht habe oder machen konnte und kann zum Beispiel diese ganzen Inhalte, die, wie wir es jetzt schon

00:46:03: begonnen haben, in digitaler Form zur Verfügung stellen und kann dann einen in unserem Fall einen KI-Audio-Guide erstellen, wo ich Fragen stellen kann und die dann beantwortet

00:46:17: werden.

00:46:18: diese Interaktion sehe ich als großen Punkt bei der KI, der einfach toll ist.

00:46:24: Und wenn ihr jetzt generell über neue Technologien nachdenkt, was sind denn da so die Fragen, die ihr euch selber stellt, auch im Museum?

00:46:33: Du okay, das wollen wir jetzt probieren, das wollen wir einführen.

00:46:36: die Fragen sind, ob das unbedingt notwendig ist und was die Besucherinnen dazu sagen.

00:46:42: Und das andere ist, wie ist das jetzt eine Mode oder ist das etwas, langfristig Bestand hat?

00:46:52: Weil natürlich kann ich auf einen Zug aufspringen und dann denke ich mir nach drei Jahren, aber das ist ja ein alter Hut jetzt.

00:46:58: Also es gibt ja viele Dinge, die so kurz aufpoppen und dann halt obsolet sind.

00:47:05: Und

00:47:06: Ein Museum hat schon auch die Aufgabe, langer, also mittel- und längerfristig zu denken, in anderen Zyklen und deswegen muss ich nicht auf jeden Zug aufspringen.

00:47:15: Das wäre auch schon eine Frage von mir.

00:47:17: Die Technologie, die altert ja relativ schnell.

00:47:21: Und wie schafft ihr es aber trotzdem?

00:47:24: Klar, kannst ja sagen, ist ein alter Hut, aber ihr müsst es doch auch irgendwie erneuern und am Ball der Zeit bleiben.

00:47:32: Wie schafft man das, dass so ein Museum dann trotzdem lebendig bleibt?

00:47:37: Auch wenn man sagt, ja, okay, da springen wir jetzt nicht drauf, aber irgendwann ist vielleicht, macht es doch Sinn.

00:47:42: weil ich den Fokus nicht verliere und das historische Objekt das wichtigste im Museum ist.

00:47:49: Also es geht nicht darum, wegen diesen digitalen Anwendungen ins Museum zu gehen, sondern ich komme wegen dem historischen Objekt.

00:47:57: Und das historische Objekt, unser ältestes Objekt, ist 1000 Jahre alt.

00:48:02: Das ist unwiderbringlich.

00:48:04: Also das gibt es einmal, wie wir vorhin gesagt haben, jedes Objekt, das bei uns ist, ist ein Einzelobjekt.

00:48:11: handgefertigt und das ist der Mittelpunkt der Sammlung, das ist der Kern, das ist die ganze Geschichte.

00:48:18: Also das ist das sich alles dreht und damit habe ich auch nicht diese Gefahr, dass ich irgendwann, wenn ich jetzt nur noch auf Technik setzen würde, sozusagen in einem alten

00:48:30: Museum sitze.

00:48:30: Ich sitze immer in neuen Museum, weil ich habe immer diese historischen Objekte und die sind immer das Zentrum von meiner Ausstellung und vom Museum.

00:48:38: Wenn man jetzt mal ein bisschen in die Zukunft schaut, was plant ihr noch?

00:48:44: Wohin geht die Reise mit dem Samurai Museum?

00:48:47: Man merkt ja auch schon, hat schon am Anfang bei der Intro gemerkt, du bist in dem Thema voll drin, du hast über Quantencomputer gesprochen, was da noch alles auf dich zukommt und

00:48:56: so weiter und so fort.

00:48:58: ist ja nicht so, dass du sagst, okay, gut, das ist jetzt, das hat mir ja herangetragen und jetzt schaue ich mir mal das an, sondern du beschäftigst dich ja aktiv mit diesen Themen

00:49:07: und mit den Entwicklungen, mit den technologischen Entwicklungen.

00:49:10: Und welche Visionen hast du noch?

00:49:12: Wo kann es noch hingehen, sei es Ausstellungstechnisch, sei es aber auch?

00:49:16: Sonst rundherum, administrativ, gibt es ja, wir über Dynamic Pricing, also dynamische Preissetzung dann wie beim Flugzeug, ist glaube ich das einzige Museum, das das macht, das

00:49:27: ich kenne.

00:49:29: Wer früher bucht, ist günstiger dran.

00:49:31: Ich weiß nicht, ob ihr noch andere Parameter dabei habt.

00:49:33: Ja, alles dabei.

00:49:36: Es gibt noch zwei andere Museen in Berlin, aber dann gibt es in Deutschland, glaube ich, also die richtiges Dynamikpricing machen.

00:49:43: In Echtzeit gibt es niemanden sonst.

00:49:47: Was ich super spannend finde.

00:49:50: Ich bin mir sicher, du hast auch noch andere Ideen, die vielleicht aus anderen Industrien kommen.

00:49:55: Was kann denn so ein Museum noch alles machen?

00:49:57: In welche Richtung geht es darum?

00:49:58: Wo arbeitet ihr dran?

00:50:00: Eigentlich kann ich das ganz einfach sagen und es führt wieder auf die Angangsfrage zurück.

00:50:05: Ich arbeite daran, Menschen für Kunst und Kultur zu begeistern.

00:50:09: Und daraufhin zielt sozusagen alles wieder, das ist der Ausgangspunkt und das ist mein Antrieb und mein Interesse, weil Kunst und Kultur ist für mich einfach das Wichtigste.

00:50:22: Ich habe mir während des Studiums einmal gedacht, über Kunst und Kultur kann ich die ganze Welt erklären.

00:50:26: Bin ich jetzt nicht immer so zu 100 Prozent davon überzeugt, aber trotzdem ist da sehr viel Wahres dran, weil es gibt so viele unterschiedliche kreative Ideen, Wege,

00:50:37: Möglichkeiten, die ich über Kunst und Kultur kennenlernen kann, erfahren kann, wissen kann.

00:50:43: Und das ist mein Ding, wie man Menschen begeistert, die jetzt draußen sind.

00:50:53: aus unterschiedlichsten sozialen Schichten kommen, aus unterschiedlichsten Ländern kommen, unterschiedlichste Probleme haben oder sonst irgendwie.

00:50:59: Aber wie kann ich die für Kunst und Kultur begeistern?

00:51:01: Weil ich der Überzeugung bin, wenn ich die für Kunst und Kultur begeister, haben die was gelernt, können selber wieder andere Dinge kennenlernen und wir werden alle in besseren

00:51:13: Gesellschaft leben, wenn wir mehr über Kunst und Kultur kennen und wissen.

00:51:19: Und wenn wir alle mehr in Museen gehen,

00:51:22: wären wir auch in einer besseren Gesellschaft, bin ich auch davon überzeugt.

00:51:26: Jetzt ist Kunst und Kultur, wenn wir die begeisternd dafür kommen, die Leute auch her und es wird Umsatz erzeugt.

00:51:31: Das ist ja, sage ich mal jetzt, betriebswirtschaftlich eine Seite.

00:51:34: Ihr habt doch noch die Kosten.

00:51:37: Gibt es da auch Themen, wo ihr sagt, okay, klar, können Begeisterung scharf erzeugen, Leute zu motivieren, kommen.

00:51:47: Aber nutzt ihr auch nochmal andere Digitalisierungsthemen, wo ihr sagt, okay, das ist auch was, wo wir uns als Museum, ihr seid sehr

00:51:55: Privatmuseum, keine Finanzierung, keine Fördermittel.

00:51:58: Ihr müsst ja auch schauen, dass ihr die Kosten im Griff habt und so weiter und so fort, dass ihr da auch das Thema Digitalisierung irgendwo ansetzt.

00:52:06: Okay, dann machen wir jetzt Sachen, wollen wir grundlegend anders machen als andere vielleicht.

00:52:11: Ja, wir versuchen das Thema Digitalisierung quer durch alle Bereiche zu treiben.

00:52:15: Das fängt an bei Affiliate Marketing bis bis sonst irgendwie.

00:52:19: Also alles, was möglich ist und was sinnvoll ist und für uns handhabbar ist.

00:52:23: Wir sind ein kleines Team, aber wir haben den Anspruch, dass wir einfach schneller sind und innovativer sind und viele Dinge auch einfach ausprobieren.

00:52:34: Wir haben keine Angst, dass wir was wir können auch Fehler machen.

00:52:39: Und das ist auch was Tolles bei unserem Sammler Peter Janssen, dass man auch Fehler zulassen kann, weil dadurch kann man lernen und dann kann man besser werden.

00:52:50: Wenn man keine Fehler machen darf, dann hat man irgendwie Angst, dann wird man vorsichtig, dann macht man gar nichts und dann bleibt man stehen.

00:52:56: Und wir wollen genau den gegenteiligen Weg gehen.

00:53:00: Okay, spannend, cool.

00:53:03: Alexander, letzte Frage.

00:53:04: Drei Learnings, drei Learnings, dir den Zuhörerinnen mitgeben möchtest.

00:53:08: Die dürfen privater oder beruflicher Natur sein.

00:53:10: Du kannst es dir aussuchen.

00:53:12: Learnings.

00:53:16: Das ist jetzt schwierig.

00:53:17: In welchem Bereich?

00:53:20: Privat oder beruflich natürlich, kannst du ja aussuchen.

00:53:22: Drei Learnings, die ich hatte.

00:53:24: Wo du sagst, das ist was, das würde ich gerne den Zuhörerinnen mitgeben.

00:53:30: Da hast du mich jetzt fast auf den falschen Fuß erwischt.

00:53:36: Du kannst doch ein Apfelstrudel Rezept durchgeben.

00:53:45: Ein wichtiges Learning habe ich, das ist rausgehen.

00:53:49: Rausgehen im Sinne von verlasst die eigene gewohnte Babel, geht in eine fremde Stadt, zieht in eine fremde Stadt, zieht in ein fremdes Land, seht euch was an, die eigene

00:54:03: Position zu reflektieren.

00:54:05: Was anderes ist ständiges Lernen.

00:54:08: Also offen zu sein für neue Entwicklungen, für neue Ideen.

00:54:15: und immer die Möglichkeiten zu sehen und nicht die Probleme.

00:54:18: Also in Möglichkeiten denken und nicht in Problemen.

00:54:21: Das ist für mich ganz, ganz was Wichtiges, um selber nach vorne zu kommen im Sinne von ich möchte das verstehen und ich möchte etwas lernen und ich möchte anderen Leuten was

00:54:38: mitgeben.

00:54:40: Also nicht in Problemen, sondern in Lösungen denken.

00:54:45: Und das dritte ist

00:54:52: Also kurz gesagt, so wie man den Wald hinein ruft, so kommt es wieder raus.

00:54:57: Der Umgang miteinander ist ganz ein wichtiger.

00:55:01: Wenn ich mit meinen Mitarbeiterinnen, mit meinen Kunden, mit meinem Umfeld gut umgehe, bekomme ich das auch wieder zurück.

00:55:09: Das heißt, es ist super wichtig, dass wir respektvoll, achtsam und gut miteinander umgehen.

00:55:17: Dann geht es uns letztendlich allen besser.

00:55:21: Alexander, herzlichen Dank.

00:55:22: Danke für deine Zeit, das spannende Erlebnis im Museum.

00:55:26: Ich habe es sehr genossen.

00:55:28: Es war super spannend, auch dieses immersive Erlebnis.

00:55:32: Wie du schon noch gesagt hast, sind hochqualitative Objekte, da sind, die von der Qualität, wenn man sich das anschaut, wie die verarbeitet sind, auch die Schwerter,

00:55:43: Schmiedekunst und so weiter und so fort und wie das dann noch durch Technologie so in Szene gesetzt

00:55:50: wird, dass das Objekt im Fokus ist, aber man begeistert durchgeht und lernt und motiviert ist, da zu bleiben.

00:56:01: Wir sind jetzt nicht bis zur körperlichen Erschöpfung, wenn wir noch dieses Interview führen.

00:56:05: beim nächsten Mal.

00:56:07: Aber das war tatsächlich echt super spannend.

00:56:09: Kann ich auch nur jedem empfehlen, hierher zu kommen.

00:56:12: Ich habe es auch super gefunden, da einen Blick auf die Technologie an sich, wie ihr sie einsetzt.

00:56:18: und wie auch damit umgeht, genau wie es auch ganz viele Industrieunternehmen machen.

00:56:25: Try and Error ein bisschen schnell innovativ sein, kurz zyklisch schauen, was geht, was geht nicht.

00:56:31: Kunden zentriert auch, Besucher zentriert und so weiter und so fort.

00:56:35: Und dass ihr natürlich das in den Mittelpunkt stellt, eine klare Vision habt, auch zu begeistern, die Objekte zu zeigen und

00:56:45: natürlich auch eure internen Prozesse an sich anders aufstellt und anders agiert, wie ein öffentliches Museum, das Fördergelder hat, das vielleicht diesen wirtschaftlichen Druck

00:56:58: auch nicht so spürt.

00:56:59: Ja, und ich sage meine Mitarbeiterinnen immer, seht euch beides an.

00:57:03: Es gibt Privatmuseen, gibt staatliche Museen, beide haben Vor- Nachteile und dann gibt es von beiden Kategorien schlechtere und bessere Beispiele.

00:57:11: Aber Museen sind an und für sich eben wie vorhin gesagt super Gedächtnisspeicher von Kulturen, von Ideen, von Überzeugungen.

00:57:24: Und jedes Mal, wenn ich ein Museum bin oder war, egal wie gut oder schlecht es war,

00:57:30: Ich habe immer etwas gelernt und das ist auch mein Bestreben, immer wieder etwas Neues zu lernen aus Interesse, weil ich einfach neugierig bin.

00:57:39: man gemerkt, ist wie gesagt super spannend.

00:57:42: Ich möchte es jedem empfehlen.

00:57:43: Ich möchte mich an der Stelle auch noch bei jemandem bedanken, nämlich dem Florian Korscher.

00:57:47: Ich auch.

00:57:47: bei dir.

00:57:48: Hallo Florian.

00:57:49: Hallo Florian.

00:57:50: Danke, dass du uns connected hast.

00:57:53: Der Shoutout kam nicht am Anfang, sondern erst jetzt am Ende, damit du ihn auch bis zum Ende hörst im Podcast.

00:58:01: Ja, herzlichen Dank dafür.

00:58:05: Alexander, danke.

00:58:06: Danke für die Zeit, danke für die Einblicke.

00:58:08: Mir hat es super Spaß gemacht.

00:58:12: werde das lustigerweise, ich habe mich gestern mit einer Bekannten getroffen, die sagte mir kommt jetzt immer das Samurai Museum unter.

00:58:18: Jeder erzählt mir davon.

00:58:20: Ich glaube, ich muss da jetzt auch hingehen.

00:58:23: Ich habe nämlich vor ein paar Wochen mit ihr darüber geredet und gestern bin ich zum Mittagessen gegangen und er hat gesagt, ja.

00:58:30: Das war ganz witzig.

00:58:31: Also ich kann es nur jedem empfehlen.

00:58:33: Es war echt super spannend und lustigerweise noch eine Sache.

00:58:38: Diese Landkarte über Japan, die Zeit, zwölf Minuten.

00:58:41: Ich habe mir schon immer gedacht, wenn ich mal einmal in der Schule zum Beispiel so eine Landkarte von Europa hätte, ich also eine Zeitschieber hätte, wo ich vor und zurück gehen

00:58:51: kann und parallel sehe, was sich wo entwickelt oder welche historischen Ereignisse gewesen sind.

00:58:58: Ich hätte es verstanden.

00:58:59: Genau und das hätte ich super spannend gefunden.

00:59:01: Das habe ich mir immer gedacht.

00:59:03: Es war aber schon vor x Jahren.

00:59:06: Jetzt ist es möglich.

00:59:06: Vielleicht gibt es ja auch irgendwelche LehrerInnen oder irgendwelche Museen, die das dann umsetzen wollen für die SchülerInnen der heutigen Zeit.

00:59:15: Ich würde es mir auch anschauen.

00:59:19: Cool.

00:59:20: dann herzlichen Dank.

00:59:21: Danke.

00:59:21: Dann wünsche ich dir noch einen schönen Tag und für alle kommt vorbei.

00:59:25: Schau dich das an, das Museum auf Instagram.

00:59:29: Da macht es auch immer Veranstaltungen.

00:59:31: Wir machen Veranstaltungen aller Art von Konzerten über Lesungen, über Vorträge, über Filme, über Lange Nacht der Museen.

00:59:43: ist das Thema Crime.

00:59:44: Das wird super spannend.

00:59:46: Wir bringen Spoiler, bald Uma Thurman ins Museum.

00:59:52: Kill Bill.

00:59:53: Kill Bill.

00:59:54: Seht es euch an.

00:59:57: Also es gibt viele spannende Projekte.

00:59:59: Weil das Thema Samurai-Kultur, wie wir auch gesprochen haben, bis zu Star Wars, Darth Vader, das Vorbild von Darth Vader ist bei uns im Museum und da stellen wir verschiedenste

01:00:09: Verknüpfungen da.

01:00:11: Wir haben auch darüber gesprochen, dass Ubisoft Teil von unserem Museum ist.

01:00:16: Assassin's Creed.

01:00:20: Also eine Rüstung von uns bei Assassin's Creed gespielt werden kann und diese zeitgenössischen Verknüpfungen machen einfach unglaublich viel Spaß.

01:00:30: Und die kann man bei uns entdecken.

01:00:32: Sehr cool.

01:00:33: Also dann machen wir jetzt einen Punkt dran.

01:00:35: Herzlichen Dank.

01:00:36: Danke für die Einladung.

01:00:38: Das war die Folge mit Alexander Jöchl, Founding Director des Samurai Museums in Berlin.

01:00:43: Alle Infos zu Alexander und dem Museum findet ihr wie immer in den Show Notes.

01:00:48: wenn ihr in Berlin seid, schaut euch das Museum wirklich an.

01:00:52: Ich kann es nach diesem Besuch nur empfehlen.

01:00:55: Danke für eure Zeit und bis zur nächsten Folge von Business Unplugged.

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